Ich denke in der heutigen Hundeausbildung muss man nicht mehr erklären was der Clicker bzw. was das Clickern ist. Der Clicker ist mittlerweile bei fast jedem Hundesportler in der Grundausstattung enthalten.
Ich möchte euch mit der folgenden Seite einen kleinen Einblick in "meine Clicker-Welt" geben.
Falls ihr doch noch nicht wisst was der Clicker ist, empfehle ich euch diese Seite:
Sie enthält tolle ausführliche Beschreibungen und Übungen, nicht nur für das Clickern!
Es gibt auch zahlreiche Bücher über das Clickern, meine Empfehlung:
Für mich gibt es kein umfangreicheres und besseres Clicker-Beschreibungsbuch wie dieses, wenn man nach dieser Methode vorgeht kann man es nicht falsch machen ;)
Zuerst braucht man einen Clicker oder ein Gerät mit gleichbleibendem Geräusch, wie Kugelschreiber, Knackfrosch...
Dieses Klick-Geräusch muss zunächst für den Hund eine Bedeutung bekommen. Also setze ich mich mit Hund in einer ablenkungsarmen Gegend hin und fange an einmal zu clicken und sofort bekommt
er etwas leckeres oder ein spannendes Spiel beginnt. Ich bevorzuge aber eine Belohnung mit Futter beim Clickern. Dies wiederhole ich nun mehrmals täglich 2-3 Min. über mehrere Tage.
Wenn ich der Meinung bin er hat es nun verstanden: "Click" = Bestätigung/Belohnung, mache ich einen einmaligen Test!! Der Hund ist nicht auf mich konzentriert, ich clicke einmal und schaue ob er reagiert. Reagiert er darauf und kommt gleich zu mir um seine Belohnung abzuholen? Glückwunsch, hat er den ersten Schritt verstanden!
Achtung der Clicker soll nicht als Ersatz für das "Komm"-Kommando sein, auch wenn es sich anbieten würde.
Um weiter zu machen müsst ihr euch nun entscheiden:
Der Hund lernt, "sobald der Click ertönt habe ich es richtig gemacht". Danach bekommt er eine Belohnung. Bei routinierteren Teams ist hier auch mal ein "Leer"click möglich, da der Hund das Geräusch mit positiven Gefühlen verknüpft hat.
Für diese Variante brauche ich aber nicht zwingend einen Clicker, den es ist eine "normale" Bestätigung.
Die Vorteile dieser Variante sind, der Clicker hat keine Gefühle und klingt somit immer gleich und eine schnellere, punktgenaue Bestätigung wird möglich. Ausserdem kann ich in Ruhe nach einer Belohnung "kramen", den der Hund hat ja schon seine Bestätigung bekommen mit dem Click und wartet nun auf seine verdiente Belohnung.
Das Ziel ist es, dass der Hund alleine agiert und ausprobiert was richtig ist. Der Hund erarbeitet sich den Weg selber und kann es sich somit besser merken. Allerdings ist die Konditionierung ein wenig schwieriger und langwieriger, doch es lohnt sich auf jeden Fall diesen Weg einzuschlagen, den sobald der Hund es "verstanden" hat ist auch die Variante 1 bei bereits Gelerntem anwendbar. Doch ein "Leer"-click oder ein Mehrfach-click würde ich nicht machen, dies verwirrt den Hund nur oder schwächt den Reiz des Clickern ab.
Der Hund hat ja nun verstanden: Click = Bestätigung/Belohnung (ab sofort nur noch C+B). Nun versuche ich den Hund zu etwas bewegen. Dies kann sein das er mich anschauen muss, oder meine Hand berührt oder einen Gegenstand berühren muss.
Wählen wir zuerst mal das "Mich anschauen": Schaut der Hund mir ins Gesicht, sofort C+B. Nach 5-6 mal, lasse ich den Click weg und warte ab was er macht. Schaut er mich einige Sekunden länger an, wieder C+B. Dies steigere ich nun langsam über mehrere Sitzungen.
Klappt das anschauen, widme ich mich etwas anderem, ich lege z.Bsp. eine alte CD auf den Boden. Diese soll er nun mit der Nase oder Pfote berühren. Doch bis wir soweit sind, können durchaus 30 kleine Zwischenschritte von Nöten sein. Wir legen also die CD in Anwesendheit des Hundes auf den Boden. Schaut er zu der CD →sofort C+B, manche Hunde sind viell. ganz neugierig und schnüffeln daran oder kratzen mit der Pfote drauf. Super, gleich C+B! Nun müssen wir uns langsam heranarbeiten, bis der Hund verstanden hat, das es etwas mit dieser CD zu tun hat.
Tipp: Als Vereinfachung für den Hund schaue ich immer den Gegenstand an. Auch wenn es ein "Kunststück ohne Gegenstand ist, schaue ich das an was bewegt werden soll oder wo der Hund hinlaufen muss. Schaue ich beispielweise meine Hunde in die Augen erwarten sie ein Kommando von mir oder sie denken ich möchte "nur" ihre Aufmerksamkeit haben.
Hat er es aber mal verstanden: Ich kann stehen wo ich möchte, der Hund geht immer wieder zu der CD und berührt sie, kann ich dazu übergehen eine zweite CD dazu zu legen. Aber mit etwas Abstand. Der Abstand sollte so gewählt werden, das der Hund beide CD´s wahrnimmt. Nun clickere ich ein paar Mal für die eine CD, für die sich der Hund als Erstes entschieden hat. Dann kommt einfach kein C+B mehr und wir warten ab, was er macht. Wir schauen nun die andere CD an, haben den Hund aber trotzdem noch im Blickwinkel und lassen ihn auch nicht aus den Augen! Schaut er vielleicht durch Zufall auf die andere CD, weil wir ja dort hinschauen →sofort C+B! Auch hier kann es etwas dauern bis er es verstanden hat, was er machen soll, nämlich die andere CD berühren. Funktioniert das, fängt das Spiel wieder vorne an. Bis der Hund verstanden hat: "Wenn kein C+B mehr, muss ich mir was anderes einfallen lassen."
Den Hunden fallen manchmal die lustigsten Sachen ein, so entstehen "Kunststücke" die gar nicht geplant oder gewollt sind. Z.Bsp. A.J.´s Ballett oder Pingu, 1. war beides nicht gewollt, sondern ein Angebot von ihm. 2. die kreuzenden Beine sind zufällig seine Haltung gewesen. Doch da er es mir schon anbietet, werde ich es natürlich ausbauen ;)
Anfangs dachte ich es geht nicht mit 2 Hunden gleichzeitig zu clickern und auch noch mit nur einem Clicker. Aber über mehrere Tipps von erfahrenen Teams vom Obedience-Termine-Forum habe ich es einfach ausprobiert.
Allerdings habe ich zuerst die Grund-Konditionierung mit jedem Hund einzeln und alleine vorgenommen. Danach bin ich übergegangen, den einen Hund in eine Box zu stecken und mit dem anderen zu arbeiten.
So konnte der zweite Hund uns zuschauen und lernte das nicht jeder Click für ihn bestimmt ist!
Nach dem das Warten in der Box gut klappte und auch der arbeitende Hund sich nicht ablenken lies, sicherte ich den zweiten Hund mit einer Leine ab und gab ihm ein "Warte-Kommando". Falls er zu mir wollte, wurde er durch die Leine aufgehalten und lernte das er solange warten soll, bis ich ihm meine Aufmerksamkeit schenke oder ich ihn mit Namen rufe.
Der nächste Schritt war da schon etwas schwieriger. Zuerst brachte ich den Hunden bei, dass sie zu ihrer Leine laufensollen und diese mit der Nase oder eine Pfote berühren sollen. Wenn das gut klappt, gab ich auch mal ein "Platz", "Steh" oder "Sitz" Kommando. Nebenher trainierte ich auch die Hunde in einer Position länger zu verweilen, auch förderlich für die BH-Prüfung oder das Obedience.
Klappte das gut konnte ich den wartenden Hund auch einfach nur bei der Leine liegen lassen und mit dem anderen in Ruhe arbeiten.
Falls es den wartenden Hund aber dochmal zu lange dauert und zu mir kommt, kann ich ihn zu seiner Leine zurück schicken und ihn ohne anzufassen oder wieder mit zu dem wartenden Platz zu gehen gleich weiter machen.
Warum eine Leine und kein Target? Da ich eine Leine immer dabei habe und der Target etwas besonderes bleiben soll.
Das Namen-Spiel:
(Übung für das Training "Abliegen und Arbeiten" im Wechsel) Ich trainiere darauf hin, dass meine Hunde nur ein Kommando in Verbindung mit ihrem Namen ausführen.
Beispiel: "Bello, Komm!"
Dies mache ich bespielsweise auf einem Spaziergang. Ich setze beide Hunde ab und rufe nur einen! Der andere soll sitzen bleiben.
Der erste Hund soll sich nun hinlegen und ich gehe wieder ein Stück weg. Nun rufe ich den anderen Hund zu mir! Dieses Spiel ist beliebig erweiterbar. Nenne ich keinen Namen vorne weg, sollen sich beide Hunde angesprochen fühlen.
Wobei ich im Allgemeinen wenn ich möchte das beide Hunde etwas ausführen sollen, auch mit "Hunde - ...(z.Bsp. Kommt)" anspreche. ;)
Dieses Spiel macht total Spass und ist natürlich bei routinierteren Hunden auch mit anderen Kommandos und Aufgaben anwendbar.
Lange Zeit hielt ich nichts von dem Clicker. Erstens hatte Dillan mit dem Knack-Geräusch Probleme und zweitens war mir der wirkliche Sinn des Clickers nicht klar, wozu brauche ich ein Gerät wenn ich doch das beste Lob immer dabei habe: Die Stimme!
Irgendwann kam auch mal die Clicker-Welle zu uns in den Verein. Plötzlich clickte jeder wild durcheinander und alle hielten es für "das Wundermittel" schlecht hin. Alles und überall wurde geclickt! Ich fand es furchtbar!!
Im nachhinein ist mir nun bewusst, dass viele Leute den Clicker falsch anwendeten oder die Hunde das Clicker-Prinzip "selber aktiv werden" nicht verstanden hatten und ich auch mitunter deshalb den Clicker ablehnte.
Mein schlimmstes Clicker-Erlebnis war bei einem Obedience Informationsseminar, die Seminarleiterin clickte den ganzen Tag durch. Mitgenommen von diesem Seminar habe ich im Bereich Obedience nur, dass der Clicker nervtötend ist!
Nach dem ich mehrere Jahre mich erfolgreich gegen den Clicker gewährt hatte, probierte ich ihn gezwungener Maßen doch aus. Dillan hatte aufgrund seiner Spondylose ein "Hol-Bring-Spiel" verbot erteilt worden, da mir aber eine Blohnung nur mit Stimme und Leckerchen zu eintönig vorkam, kaufte ich einen Clicker und las mich in das Thema ein.
Zuerst musste ich Dillan die Angst vor dem Geräusch nehmen, was ich durch "zwangsloben" nach dem Geräusch und währrend dem Geräusch erfolgreich löste.
Dann begann die Konditionierung. Schnell verstand er Click = Leckerle! Nur war mir nicht klar das er dadurch nicht automatisch lernte, ein gezeigtes Verhalten zu verändern wenn kein Click kommt!
Einige Zeit verging und wieder im Obedience-Termine-Forum wurde ich belehrt! Ich habe es ihm ja gar nicht beigebracht, dass er etwas anderes zeigen soll, wieso sollte er es also tun? Aber trotzdem hat der Clicker bereits hier etwas bewirkt: Dillan ist sehr viel aufmerksamer in der Unterordung geworden!
Leider konnte ich mir nicht helfen um das "Nicht-Aktiv" werden des Hundes zu beheben und als dann A.J. zu mir kam, kaufte ich mir das Buch von Nina Miadrogovic "So denkt ihr Hund mit"! Dieses Buch öffnete mir die Augen und ich entschied mich dazu mit A.J. das Clickern richtig anzufangen.
Mit dieser umfangreichen Beschreibung klappte es hervorragend und A.J. ist ein richtig guter Clicker Hund geworden! Er verstand sofort was ich von ihm wollte und er hat so viel Spass beim Clickern und zeigt die lustigsten Sachen!
Gleichzeitig versuchte ich Dillan umzugewöhnen. Es dauerte seine Zeit, doch seit einger Zeit ist er so süss beim Clickern und probiert wirklich aus! Egal was ich bisher angeclickt habe, dies zeigt er erstmal alles schnell hintereinander! Vielleicht möchte ich es ja diesmal wieder sehen ;)!
Für mich ist es einfach nur toll zu sehen, dass er auf seine alten Tage noch so lernfähig ist und das er so lustig sein kann.
Wenn ich so an damals denke, ist es gut gewesen den Trend "Clicker" nicht sofort mitzumachen! Heute gehört er auf jeden Fall zur Standartausrüstung bei mir, doch er ist noch immer kein Muss!
Vieles mache ich auch ohne Clicker, trotzdem bereue ich nicht die Entscheidung mit dem Clicker angefangen zu haben. Im Gegenteil heutzutage empfehle ich sogar fast jedem Team, mit dem Clicker zu arbeiten. Den es gibt nichts Besseres als seinen Hund "denken" zu sehen.
Ich denke wenn mich Freunde beschreiben müssten, würden sie sicherlich dieses erwähnen: Immer skeptisch bei neuen Mehoden und Änderungen und grundsätzliches Hinterfragen!! Ich schaue mir meist erst alles mit Abstand an und wenn es mir dann zusagen sollte, probiere ich es vielleicht auch mal aus!
Ich denke jeder kann seine Meinung ändern, so habe ich meine Meinung zu dem Clicker geändert!
Noch eins möchte ich loswerden: Ich nutze den Clicker so gut wie nie im Agility! Warum? Weil es mir hier zu kompliziert ist. Stimmt meine Körpersprache nicht, gewöhne ich dem Hund vielleicht etwas falsches an. Somit gehört der Clicker für mich nicht zum Agility!
Das einzigste was ich mit Clicker gearbeitet habe im Agility bisher, sind die Kontakzonen-Abgänge. Im Slalom habe ich es versucht, habe es aber schnell wieder gelassen. Den der Slalom ist einfach zu lang, der Hund kann es meines Erachtens nicht richtig verknüpfen! Aber das muss jeder für sich selber entscheiden! ;)
Sollten noch Fragen auftauchen, bin ich gerne bereit diese zu beantworten.